Die Welpengruppe: Einer der ersten Wege für dich und deinen Welpen – Doch wie wähle ich eine für mich und meinen Hund passende Hundeschule?

November 23, 2018

Ja, es hat sich einiges in Sachen Hundeerziehung geändert. Medienpräsenten Hundetrainern müssen wir heute zugutehalten, dass Sie sensibilisiert haben für die Notwendigkeit, sich mit dem Hund und seinen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Auf Hundehalterseite erfreut sich der Besuch einer Hundeschule vom Welpenalter an großer Beliebtheit. Nicht ohne Grund sind in den letzten Jahren Hundeschulen wie Pilze aus dem Boden geschossen. Das ist eine wunderbare Entwicklung. Trotzdem dürfen wir uns nicht darauf ausruhen, denn immernoch gibt es viele Hundetrainer, die nicht wissen, wie unseren Hunden ein optimaler Einstieg in unsere menschliche Welt ermöglicht werden kann. Genauso wie es viele Lehrer und Erzieher gibt, die heute noch nicht verstanden haben, wie Lernumgebungen gestaltet sein sollten, damit 1. komplexe Verhaltensmuster gelernt und 2. Potenzial entfaltet werden kann.

 

Wir wünschen uns alle Hunde, die stressfrei am Leben in unserer Gesellschaft teilnehmen können. Hunde, die sowohl mit Artgenossen, als auch mit Menschen sozialverträglich sind. Doch vergessen dürfen wir auch nicht, dass der Weg dahin Arbeit, Geduld und vor allem eines: Zuhören, bedeutet.

 

Wie Welpen Sozialverhalten lernen

 

Soviel zur Theorie – Mit diesem Artikel möchte ich Dir einen Leitfaden an die Hand geben, mit dessen Hilfe Du eine Welpengruppe findest, die Deinen Hund und Dich in der frühen Phase wirklich weiterbringt. Gerade die Zeit bis zur 14. – 16. Lebenswoche ist so wichtig für die Entwicklung unserer Hunde. Wenn ein Welpe in der 9. oder 10. Lebenswoche in sein neues zu Hause einzieht, hört zumeist die gute Sozialisation, die er bis dahin von seinen Geschwistern, Eltern und dem hoffentlich guten Züchter erhalten hat, schlagartig auf. Das ist dramatisch, da der Hund sich weiterhin in einer entscheidenden Sozialisationsphase befindet.

 

Der Grundstein für spätere Lernerfahrungen wird in dieser Zeit gelegt.

 

In dieser Sozialisationsphase lernen unsere Hunde, wie Sie mit Sozialpartnern angemessen kommunizieren. Das bezieht sich sowohl darauf, das Ausdrucksverhalten von Artgenossen verschiedener Rassen korrekt einzuordnen (Das ist nicht angeboren), als auch Menschen und andere Lebewesen kennenzulernen und einzuschätzen.

 

Gerade die Hund-Hund-Kommunikation macht vielen Hundehaltern schwer zu schaffen. Nicht selten haben nicht ausreichend ausgebildete Hundetrainer zumindest eine Mitschuld, weil Sie nicht ungenügendes lerntheoretisches Grundwissen haben.

 

Welpen lernen sehr viel über das Ausprobieren von Verhaltensmustern und deren Folgen. In einer guten Welpengruppe sollen Sie auch Ihr gesamtes Verhaltensrepertoire ausprobieren dürfen. Doch es ist wichtig, dass wir Menschen immer mit voller Aufmerksamkeit dabei sein, denn in individuellen Zweierbeziehungen können Verhaltensmuster zum Erfolg führen, die in den meisten Hund-Hund-Begegnungen Konflikte hervorrufen. Hat ein Hund erstmal ein Verhaltensmuster gelernt und damit Erfolg gehabt (z.B. „Ich kriege Aufmerksamkeit, wenn ich Hunde oder Menschen in die Beine zwicke.“), wird es schwer, diese Verhaltensmuster wieder zu verändern. Natürlich ist es am schönsten und effektivsten, wenn sich Hunde untereinander Grenzen setzen - Es wäre dramatisch, jegliche aggressive Verhaltensweisen zu unterbinden. Es gibt jedoch Hunde, deren Persönlichkeit eben das setzen klarer Grenzen nicht vorsieht. Wir können auch sagen, Sie sind sehr tolerant. Und genau hier ist ein kompetenter Hundetrainer gefragt, den Welpen zu helfen, Verhaltensmuster abzurufen, die in der Hund-Hund-Kommunikation Konflikte vorbeugen. Keine leichte Aufgabe ;).

 

 

So bilden Hunde Beziehungen und soziale Gruppen

 

Und jetzt stellt Euch folgende Situation vor: Eine Welpengruppe mit 20 Hunden, die alle unangeleint über ein 1000m2 Grundstück rennen und versuchen, irgendwie herauszufinden, wie die anderen so ticken und wann, wer, wie reagiert. Es ist ein großer Irrtum, dass Hunde schnell eine klare Hierarchie etablieren und sich eine Rangfolge abzeichnet. Ganz im Gegenteil: Hunde sind in der Lage, individuelle Zweierbeziehung zu bilden. Dafür brauchen Sie jedoch Zeit und Raum. Solange die Hunde sich noch nicht kennen, können Konflikte auftreten. Erst wenn sich beide Sozialpartner gut einschätzen und das Verhalten des anderen vorhersagen können, ist ein harmonisches Miteinander (inkl. ausgelassenem Sozialspiel) möglich. In einer Gruppe von 20 Hunden passiert das jedoch ausgesprochen selten. Für die meisten Hunde bedeuten so große Gruppe nur eines: viel, viel Stress und die Lernerfahrung „Wenn andere Hunde mit dabei sind, bricht Chaos aus und ich finde mich nicht zurecht“.

 

Wenn sich in einer Gruppe alle Hunde untereinander gut kennen und jeweils Zweierbeziehungen ausgebildet haben, können wir von einer festen sozialen Gruppe sprechen (nicht von einem Rudel oder Ähnlichem). In so einer sozialen Gruppe kann es relativ klare Statusverhältnisse geben (Hund A darf mehr als Hund B und der mehr als Hund C), muss es aber (und ist es auch häufig) nicht (Hund A darf mehr als Hund B, Hund B mehr als Hund C und Hund C mehr als Hund A).

 

Kurzer Ausflug zum Thema „Hunde klären das untereinander“

 

Ja, das stimmt – zu 100 %. Sind zwei Individuen in einem Konflikt, klären Sie es ganz bestimmt untereinander. Eine ganz andere (und viel wichtigere) Frage ist: Was ist die Lernerfahrung? Ist es eine gute für das weitere Leben in einem sozialen System?

Was ich meine: 2 Hunde haben einen Konflikt und verprügeln sich so dermaßen, dass einer in die Tierklinik muss. Sie haben den Konflikt also untereinander geklärt. Einer hat gelernt, dass ich nur stark genug zubeißen muss, damit der Konflikt aufhört. Der andere hat gelernt, dass andere Hunde echt gruselig sind. Entscheidet selbst: Gute oder schlechte Lernerfahrung?

 

Zurück zu den Welpengruppen – Kriterien

 

Damit Dein Welpe in der frühen Phase positive Lernerfahrungen machen kann und somit überhaupt die Möglichkeit bekommt, ein stressfreies Leben zu führen, möchte ich Dir hier eine Checkliste zum Finden einer guten Welpengruppe zur Verfügung stellen:

 

1) Die Gruppen bestehen aus nicht mehr als 4 bis 6 Hunden.

 

2) Die Gruppen sind nach Spielverhalten der Hunde / Kräfteverhältnissen zusammengestellt.

 

3) Die Gruppenstunden beginnen nicht mit wildem Spiel, sondern immer an der Leine, bis die Hunde zur Ruhe kommen und enden auch so. Andere Hunde werden so nicht nur mit Aufregung, sondern auch mit Ruhe verknüpft. Hier eignen sich z.B. auch Futtersuchspiele.

 

4) Der/Die Hundetrainer/in erkennt Stresssituationen und hilft den Welpen, angemessene Lösungen zu finden.

 

5) Es heißt nicht in jeder Situation „Die Regeln das untereinander“ (siehe oben)

 

6) Körperliches Bedrängen der Welpen von den Menschen wird nicht toleriert.

 

7) Der / Die Hundetrainer/in achtet darauf, dass die Lernumgebung durch immer wieder neue Gegenstände angereichert wird. Die Hunde lernen verschiedene Untergründe (Sand, Stein, Plastik etc.) und verschiedene Erscheinungsbilder von Menschen (Helm, Kapuze etc.) kennen.

 

8) Der / Die Hundetrainer/in beantwortet Fragen und erklärt das Verhalten der Hunde.

 

9) Der / Die Hundetrainer/in hat die Erlaubnis nach § 11, Abs.1, Nr. 8f TSchG.

 

10) Es werden keine Hilfsmittel wie Stachelhalsbänder, Elektrohalsbänder, Zughalsbänder oder ähnliche Hilfsmittel verwendet!

 

Und wie immer gilt: Hört auch auf euer Bauchgefühl!

Euch eine schöne Zeit mit eurem Welpen!

 

Euer Nils

 

Teamspirit - Zentrum für Mensch und Hund

Please reload

Our Recent Posts

Hundehasser, Giftköder und Co. – Wir müssen ihnen den Nährboden nehmen!

April 3, 2019

Welpencheckliste mit 8 Tipps für die ersten Wochen. Ein neues Familienmitglied zieht ein...

March 5, 2019

Dein Weg zum sicheren Alltags-Rückruf (TEIL 1)

January 11, 2019

1/1
Please reload

Tags

Teamspirit - Zentrum für Mensch und Hund

Nils Winterfeldt

Glienicker Chaussee 5

16567 Schönfließ

www.teamspirit-menschhund.de

info@teamspirit-menschhund.de

+49 176 203 37 285

©2019 by Teamspirit - Zentrum für Mensch und Hund

Inh. Nils Winterfeldt