Dein Weg zum sicheren Alltags-Rückruf (TEIL 1)

January 11, 2019

Wer wünscht es sich nicht: Einen Hund, der trotz großer Ablenkung beim ersten Rückruf sofort und schnell auf einen zurennt, beim Menschen abbremst und freudig Blickkontakt aufnimmt.

 

Wer erwischt sich gerade bei dem Gedanken: "Das geht ja sowieso nicht!" oder "Mit meinem Hund erreiche ich das nie!". Es gibt sicherlich Situationen, die aussichtslos erscheinen - ich würde diesen Blogbeitrag jedoch nicht schreiben, wenn es nicht effektive Trainingsmethoden gibt, mit denen jedes Mensch-Hund-Team einen zuverlässigen Rückruf erreichen kann.

 

Wie bei allen anderen Übungen auch, ist es ganz entscheidend sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wie die Übung am Ende aussehen soll. Für den Rückruf formuliere ich folgendes Ziel:

 

Sobald ich mein Signal für den Rückruf gebe, bricht mein Hund seine aktuelle Handlung ab und rennt zügig auf mich zu. In einer halben Armlänge Abstand hält mein Hund an, nimmt Blickkontakt auf und wartet auf das nächste Signal.

Selbstverständlich kann dein Ziel für den Rückruf auch anders aussehen – Entscheidend ist, dass du weißt worauf du hinarbeitest.

 

In meinem Beispiel besteht der Rückruf aus 4 Kernelementen:

 

1)      Der Hund bricht eine Handlung ab

2)      Der Hund rennt schnell auf den Menschen zu

3)      Der Hund hält nahe am Körper an

4)      Der Hund nimmt Blickkontakt auf und wartet auf ein neues Signal

 

Den Rückruf strukturiert zu erarbeiten bedeutet auch alle Kernelemente zunächst einzeln zu trainieren.

 

 

1) Abbrechen einer Handlung

 

Auch hier gibt es wieder diverse Möglichkeiten dieses Verhalten zu trainieren. Für unseren Zweck wähle ich einen einfachen und schnellen Weg mit einer sehr hochwertigen Belohnung. Zunächst einmal bringe ich meinem Hund bei nach einem bestimmten Signal eine Super-Belohnung zu erwarten.

Je nach Hund kann das ein fliegendes Spielzeug, 5 Sekunden Leberwurst schlecken oder ähnliches sein. Du wirst am besten wissen, was deinen Hund so richtig ins Schwärmen kommen lässt.

Die Übung sieht so aus: „Stopp“ und sofort anschließend kommt die Belohnung direkt vor die Hundenase. Das hochwertige Futter darf dann gegessen werden / das Spielzeug fliegt. Euer Hund muss dafür nichts tun außer mitbekommen, dass ihr das Wort sagt. „Stopp“ wird  in diesem Fall die Ankündigung einer Super-Belohnung. Habt ihr das einige Male wiederholt kommen Schritt für Schritt Ablenkungen dazu.

Ablenkungen können sein:

  • Eine zweite Person

  • Ein anderer Hund in der Ferne

  • Eine spannende Schnüffelstelle

  • Irgendein Reiz in der Umgebung (Fahrradfahrer, Jogger, Fußgänger etc.)

Immer wenn euer Hund sich dem anderen Reiz zuwendet kommt euer „Stopp“. Wendet sich der Hund freudig ab gibt es sofort die Super-Belohnung. Die Ablenkung steigert ihr auch indem ihr euren Hund z.B. an der anderen Person schnüffeln lasst und erst dann euer "Stopp"-Signal kommt. Wenn die andere Person zusätzlich Futter in der Hand hält (welches der Hund NICHT bekommen darf) ist der Schwierigkeitsgrad umso höher. Wichtig ist jedoch die schrittweise Steigerung der Ablenkung. Es gilt das 0-Fehler-Prinzip.

!0-Fehler-Prinzip

 

In einer idealen Trainingseinheit ist die Ablenkung immer so passend auf den Trainingsstand des Hundes abgestimmt, dass der Hund keinen einzigen Fehler macht. Passiert es doch wird die Trainingssituation so umgestaltet, dass Trainingserfolge sofort wieder eintreten.

Die Super-Belohnung muss immer hochwertiger sein als die Ablenkung.

 

 

2) Der Hund rennt schnell auf den Menschen zu

 

Zum Einstieg empfehle ich zur Absicherung eine 5m Schleppleine. Ihr geht an einen ruhigen Ort mit Schleppleine, Brustgeschirr, gut sichtbaren Futterstückchen und einem tollen Spielzeug im Gepäck.

!Sicherheitshinweis!

Eine Schleppleine wird nur in Verbindung mit einem Brustgeschirr benutzt – nie mit einem Halsband.

 

Ein idealer Trainingsort zum Anfang ist der eigene Garten oder ein ruhiges Feld ohne Ablenkung. Überlegt euch zunächst ein Signal für das schnelle „auf-den-Menschen-zurennen“. Das kann bspw. ein Pfiff oder ein Wort wie „hierher“ sein.

 

Testet nun zunächst ob euer Hund lieber mit einem Spielzeug spielt oder Futter interessanter ist.

 

Folgender Übungsaufbau mit Futter kann entsprechend auch mit 2 Spielzeugen trainiert werden:

 

Zeigt eurem Hund ein gut sichtbares Futterstückchen und schmeißt es in Blickrichtung des Hundes etwa 2 Meter weg. Euer Hund soll und darf hinterherrennen und es aufsammeln. Sobald euer Hund nach dem Fressen hochschaut zeigt ihr ihm das nächste Futterstückchen, geht rückwärts vom Hund weg und schmeißt es ihm (vorausgesetzt er rennt dann auf euch zu) 2 Meter in seine Laufrichtung, so dass er an euch vorbeirennt. Das wiederholt ihr mit 5 Futterstückchen. Anschließend hat euer Hund eine kleine Pause von etwa 1 Minute.

 

Beim nächsten Durchgang gebt ihr euer Signal, sobald euer Hund auf euch zurennt. Im Idealfall zieht ihr das Signal etwas in die Länge: Es beginnt sobald der Hund hochschaut (nachdem er ein Futterstückchen am Boden aufgesammelt hat) und endet kurz bevor ihr das nächste Futterstückchen in seine Laufrichtung an euch vorbei werft.

 

Wenn ihr mit 2 Spielzeugen trainiert zeigt ihr eurem Hund das zweite Spielzeug sobald er beim ersten angekommen ist. Nimmt euer Hund das erste Spielzeug mit und lässt es nicht fallen muss zunächst das Ausgeben von Spielzeug trainiert werden.

 

Nun könnt ihr langsam die Entfernung zum Hund vergrößern und, wenn es zuverlässig klappt (also wenn ihr 100 € darauf verwetten würdet, dass euer Hund kommt) auch die Schleppleine abmachen.

 

 

 

Die Kernelemente 3) und 4) sowie das Zusammenfügen der Übungen werden im Blogbeitrag Teil 2 beschrieben.

!Wenn es einmal nicht klapp

 

Sollte euer Hund einmal zu abgelenkt sein und nicht auf euch zulaufen oder seine Handlung abbrechen ist das kein Drama. Es ist auch kein Grund das Training in Frage zu stellen oder abzubrechen. Nehmt es lediglich als Hinweis, dass euer Hund noch nicht so weit ist unter dieser speziellen Ablenkung das Verhalten abzurufen. Geht im Training einen Schritt zurück und macht es eurem Hund wieder etwas einfacher. Als Grundregel gilt: Ich wiederhole ein Signal MAXIMAL 2 Mal… klappt es auch beim zweiten Mal nicht folgt eine kurze Pause und anschließend ein einfacherer Übungsaufbau (z.B. weniger Ablenkung).

Euch erstmal viel Freude beim Training mit euren Hunden!

 

Ich freue mich wie immer über eure Kommentare und Hinweise.

 

Lieben Gruß

Euer Nils

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